Reinhard G. Nießing
15. Aug. 2017

Dorfgemeinschaft Raesfeld steht auf dem Spiel

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Bearbeitet: 30. Aug. 2017

Die Politiker im Gemeinderat haben eine folgenschwere Entscheidung getroffen. Respekt dafür, dass sie sich dieser Verantwortung stellen. Zugegeben, mein Vergleich mag hinken, aber: stellen Sie sich einmal vor, den Kirchengemeinden würden noch mehr Kirchenbesucher und Steuerzahler davonlaufen. Das würde dazu führen, dass die „kirchlichen Einrichtungen“ unrentabel geführt, soziale Aufgaben nicht mehr wahrgenommen, Kirchen geschlossen oder einer anderweitigen Nutzung zugeführt würden. Gott sei Dank ist es ja noch nicht soweit gekommen, noch sind die kirchlichen Finanzen gesichert. Wäre es für die Kirchenbesucher ein Trost zu wissen, sollte ihr Gotteshaus anderweitig genutzt — fremdgenutzt — werden oder vielleicht sogar abgerissen werden, dass es doch noch weitere Möglichkeiten gibt wo sie sich hinwenden könnten, um ihren Gottesdienst zu feiern?

 

Foto aus der Perspektive des Wetterhahns der St.-Martin-Kirche, vom 24. Februar 2010

 

Foto aus der "Fahnenluke" der St.-Martin-Kirche Raesfeld, vom 7. Mai 1977

 

Selbstverständlich kenne ich den Unterschied zwischen Haus und Gotteshaus. Trotzdem sehe ich Parallelen zum „Haus Epping“, denn es geht um die Zukunft unserer Dorfgemeinschaft. Wenn das alles abgerissen werden sollte, was zurzeit auf der kommunalen Agenda steht, dann befürchte ich den Verlust unserer dörflichen Identität. Man mag sich ja mittlerweile daran gewöhnt haben, dass auch von Raesfeld-Erle aus „Fernbusse“ nach Berlin fahren. Wer weiß, vielleicht wird in absehbarer Zeit eine stete Omnibusverbindung nach Hamminkeln eigerichtet, wo es im Kreis Wesel der Aufzählung nach doch 350 alternative Sitzplätze in Gaststätten geben soll? Was hat unser Dorf denn davon? Wir müssen nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass sich die Gewohnheiten der Bevölkerung geändert haben und ein „Kneipensterben“ damit einhergegangen ist. Den Rest besorgte das politisch diktierte, strikte Rauchverbot, das den Gastwirten im sprichwörtlichen Sinne, die Luft zum atmen nahm. Warum eigentlich muss denn für jedes größere Event ein Riesenzelt auf der grünen Wiese aufgebaut werden? In Raesfeld häufen sich die Anlässe dafür, leider mit zunehmender Tendenz. Und noch etwas: Vielleicht möchte auch nicht jeder Gast in einem umgebauten Kuhstall, in einer kargen Halle, oder in einer Seniorenresidenz sein ganz persönliches Fest feiern?

 

Außenterrasse der ehemaligen Gaststätte von "Schulze Böckenhoff" im Jahre 1976

 

In der Gasstätte von "Schulze-Böckenhoff", ein weiteres "RGN-Foto" aus dem Jahre 1976

(Gäste: Heinz Höyng, Richard und Martin Nießing, von links nach rechts.)

 

 

Übrigens: Um dem vielbeklagten Schimmelpilz einen guten Nährboden zu verschaffen, reicht es doch völlig aus, ein Gebäude zehn Jahre lang ungenutzt im Regen stehen zu lassen. Ist das fahrlässig oder berechtigt, daraus die Begründung für den Abriss abzuleiten? Das zeigte in der Vergangenheit bereits der Umgang mit der historischen Hofstelle von „Schulze-Böckenhoff“ in Raesfeld. Neubauten innerhalb eines Dorfes wirken manchmal so wie ein Flugzeugträger im Yachthafen. Eigentum verpflichtet, unabhängig davon, wer gerade der Eigentümer ist. Sich darum rechtzeitig zu kümmern und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, wären das Gebot der Stunde. Vor allen Dingen sollten die verantwortlichen Entscheidungsträger vielleicht einmal die „Menschen mitnehmen“ und um Verständnis werben, nicht nur kurz vor Wahltagen. Sie aufklären und über ihre Absichten nicht im Dunkeln lassen. Voraussetzungen dafür wären eine klare Haltung, Kommunikationsbereitschaft, Meinungsaustausch – ggf. auch im scharfen Diskurs – und keine Menschenscheu. „Politiker, die Angst vor dem Volk haben, sind wie wasserscheue Fische“. Mit diesem Zitat von Thomas Oppermann möchte ich schließen.

 

 

 

Traurig aber wahr: dieser Leserbrief-Beitrag war in seiner Ursprungsform dem drohendem Abriss von "Haus Epping“ gewidmet und ist im Januar 2015 veröffentlicht worden. Zum einen im Blog des „Heimatreports“ und zum anderen in der Borkener Zeitung vom 12. Januar 2015

Dass er heute noch immer seine Berechtigung hat, zeigt mir aktuell der drohende Abriss des „Niewerther Hofs“.

 

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    Welche Aussichten erweisen sich im neuen Jahr? Ja, Willi, da gucks du. Die halbe "Klümperstraße" in der Tonne. Stopp! ohne Worte "Menschen verbinden ihre Identität mit solchen Bauten, selbst wenn sie nicht als „schön“ im klassischen Sinne empfunden werden." Alter Flurname: "Dampmölle". Neuer Straßenname: "Zur Dampmölle" — dank CDU? Historische Flurkarte/Flurnamen im heutigen Baugebiet der Raesfelder "Stockbreede". Anlehnung und/oder Hinweis auf neue Straßennamen im 2. Abschnitt des Baugebietes? Die Raesfelder "St.-Michael-Station", ein künstlerisches Werk von Hermann Kunkler. Links im Bild: "Alte St.-Michael-Station" auf dem ehem. Hof "Schulze-Böckenhoff" i. J. 1999. Diese Station sollte eigentlich geschreddert werden. Eine in Auftrag gegebene neue Station war in der Entwurfsfassung von einem renommierten Steinmetzmeister bereits erstellt worden, bevor das "verrückte Vorhaben" gänzlich abgeblasen wurde. Die alte Station wurde anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums der Kolpingsfamilie Raesfeld im Jahre 2009 restauriert und fand in Folge dessen einen neuen Standort in unmittelbarer Nähe, am Langenkamp. Ja, geht doch: Die "alte St-Michael-Station" wurde im Mai 2009 "neu" eingeweiht. Spinner, Phantast oder Visionär? Der Erler Pastor Franz-Josef Barlage. Sein Wort war Gottes Wort, getreu seinem Leitspruch: "Das Eine tun, das Andere nicht lassen" ging in die Köpfe der Erler Bürger ein. Pastor Barlage war der sprichwörtliche "Hirte unter seinen Schafen" und eine Seele von Mensch. Als Mitglied in der Initiativgruppe "Wir in Erle", voller Ideen und Schaffenskraft, was ihn letztlich auch dazu bewogen haben könnte, sich selbst ein "Denkmal" zu errichten? Die St.-Silvester-Kirche in Raesfeld-Erle bekam jedenfalls eine neue Turmhaube, wie die Fotos belegen können. Pfarrer em. Franz-Josef Barlage starb am 21. Dezember 2013.
  • Reinhard G. Nießing
    13. Dez. 2017

    Eine Welt, die sich immer schneller dreht — die immer mehr durchdreht — diese Welt nimmt sich nicht mehr die Zeit zu warten. Gemeinde, Gemeinschaft, Gemeinwesen: wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Gemeinsam könn(t)en wir das doch schaffen! Wo ist das Problem? "Die Macht der Bilder" Bei allem Respekt, sehr geehrter Herr Brügging! Die katholische Kirche ist ein großartiger, unverzichtbarer Dienstleister. Ja, angesichts der gewaltigen Zahlen (die jüngst veröffentlicht wurden, siehe unten), ein groß-artiges Wirtschaftsunternehmen. Allerdings: fällt Ihnen eine kirchliche Dienstleistung ein, die "umsonst" ist? — die nicht berechnet wird? Geschenkt! Vielleicht sollte sich die Kirche zukünftig wieder verstärkt um ihre Schäfchen kümmern, um die Herde beisammen zu halten, ihr Augenmerk weniger auf die materiellen Dinge richten und stattdessen ihren seelsorgerischen Ansprüchen gerecht werden? Damit „Seelsorge" wieder ein Erfolgsmodell wird. Gedanken muss sich im Übrigen wohl jeder Geschäftsführer machen, wenn ihm seine Kundschaft wegzulaufen droht. Oder, betrachten wir es einmal anders, so wie es Papst Franziskus so trefflich und bildlich auszudrücken vermochte: „Seid Hirten mit dem ‚Geruch der Schafe‘, damit man ihn riecht – Hirten inmitten ihrer Herde und Menschenfischer.“ Die Kehrseite der Medaille: Vertrauen wir auf unseren kirchlichen Schutzpatron „St. Martin“, indem wir uns schützend vor "unsere Kirche" stellen in der Hoffnung, dass "unsere Kirche" zu schätzen vermag, sich erinnert, welche Menschen und Gemäuer sich schützend um sie herum versammelt haben. Fenstermotiv "St. Martin" im Kirchturm der St.-Martin-Kirche zu Raesfeld. (im Ausschnitt)
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